EMPB, PPAP und FAIR — Was ist der Unterschied?
Dein Kunde schickt eine E-Mail: „Bitte PPAP Level 3 bis Freitag." Ein anderer will einen „FAIR-Report nach AS9102." Und dein Hausstandard heißt EMPB nach VDA Band 2. Alle drei meinen im Kern dasselbe — und doch sind die Unterschiede entscheidend.
Was alle drei gemeinsam haben
EMPB, PPAP und FAIR sind Erstmusterprüfberichte: Dokumente, mit denen ein Lieferant nachweist, dass das erste gefertigte Bauteil einer Serie alle Zeichnungsanforderungen erfüllt. Der Kunde bekommt damit die Sicherheit, dass der Fertigungsprozess stabil läuft und wiederholbar gute Teile produziert.
Das Grundprinzip ist überall gleich: Zeichnung → Maßliste → Istwerte → Nachweis. Was sich unterscheidet, ist der Rahmen — Formblätter, Pflichtdokumente, Prüftiefe — und vor allem: welcher Kunde in welcher Branche welchen Standard fordert.
Die drei Standards im Überblick
| Standard | Voller Name | Organisation | Branche |
|---|---|---|---|
| EMPB / PPF | Erstmusterprüfbericht / Produktionsprozess- und Produktfreigabe | VDA (Deutschland) | Automotive (DE/EU) |
| PPAP | Production Part Approval Process | AIAG (USA) | Automotive (USA/global) |
| FAIR | First Article Inspection Report | SAE / AS9102 | Luftfahrt & Verteidigung |
EMPB nach VDA Band 2
Der EMPB ist der deutsche Automobilstandard. VDA Band 2 regelt die Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) und ist in der deutschen Zuliefererkette praktisch überall gefordert — von Volkswagen über BMW bis zu Tier-1-Lieferanten wie Bosch oder Continental.
Was ein EMPB enthält
- Deckblatt mit Vorlagegrund (z. B. Erstlieferung, Änderung) und Vorlagestufe (1–5)
- Maßliste mit allen Zeichnungsmaßen, Sollwerten, Toleranzen und Istwerten
- Ballonierte Zeichnung — alle Maße auf der Zeichnung nummeriert
- Anlagen: Werkstoffzeugnis, Cmk/Cpk-Bericht, IMDS-Nachweis, Sondermerkmale
PPAP nach AIAG
PPAP kommt aus den USA und ist besonders bei amerikanischen OEMs wie GM, Ford und Chrysler (Stellantis) Pflicht — aber auch viele internationale Tier-1-Lieferanten mit US-Kunden fordern PPAP. Der Standard ist inhaltlich dem EMPB sehr ähnlich, aber die Formblätter und Terminologie unterscheiden sich.
PPAP-Submission Levels
PPAP kennt 5 Submission Levels, ähnlich den VDA-Vorlagestufen:
- Level 1: Nur Part Submission Warrant (PSW) — das Deckblatt
- Level 2: PSW + ausgewählte Dokumente
- Level 3: PSW + vollständige Dokumentenmappe beim Kunden eingereicht (Standard)
- Level 4: PSW + kundendefinierte Anforderungen
- Level 5: Volle Mappe + Überprüfung beim Lieferanten vor Ort
Der wesentliche Unterschied zum EMPB: PPAP fordert zusätzlich immer einen Ppk-Nachweis (mind. 1,67 bei Sondermerkmalen), einen Control Plan und eine PFMEA (Process Failure Mode and Effects Analysis).
FAIR nach AS9102
FAIR ist der Luftfahrtstandard und deutlich strenger als EMPB und PPAP. AS9102 (SAE International) wird überall dort gefordert, wo Sicherheit keine Kompromisse kennt: Airbus, Boeing, Rolls-Royce, aber auch Verteidigungslieferanten.
Die drei Formulare eines FAIR
- Form 1: Design Documentation — alle Zeichnungsrevisionsstände, Normen, Werkstoffspezifikationen
- Form 2: Product Accountability — Stückliste, Hersteller, Rohteilnachweise
- Form 3: Characteristic Accountability — jedes einzelne Merkmal aus der Zeichnung, vollständig gemessen
Was bedeutet das für dich als Lohnfertiger?
Wenn du Teile für die Automobilindustrie in Deutschland produzierst, brauchst du fast immer einen EMPB nach VDA Band 2. Hast du US-amerikanische Kunden oder arbeitest du für Tier-1-Lieferanten mit AIAG-Bindung, kommt PPAP dazu. Und wer in der Luftfahrt liefert, braucht FAIR — ohne Ausnahme.
In der Praxis bedeutet das oft: Du hast einen Bauteil, drei Kunden — und drei verschiedene Formblätter. Die Messwerte sind dieselben, nur das Format und die Pflichtdokumente unterscheiden sich.
Genau hier kommt der CSV-Export ins Spiel: Die Istwerte aus dem EMPB-Service lassen sich als Rohdaten exportieren und in jedes Kundentemplate übertragen — egal ob PPAP-Excel-Vorlage oder FAIR-Formblatt aus dem Qualitätshandbuch des Kunden.
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